Die Fürstin von Campobasso - Henri Beyle - Страница 1 из 24


Arthur Schurig Es war im Jahre 1726, also zu Beginn des achtzehnten
Jahrhunderts, in Rom. Der Nepotismus trieb seine übelsten
Blüten. Aber zu keiner Zeit war der römische Hof
glänzender gewesen. Benedikt XIII. aus dem Hause Orsini regierte,
oder vielmehr sein Neffe, der Fürst von Campobasso, der im Namen
des Papstes alle Geschäfte führte, die großen wie die
kleinen. Von überall her strömten die Fremden in die Ewige
Stadt. Italienische Nobili und spanische Granden, damals noch im
Überflusse des Goldes der Neuen Welt, kamen in Scharen. Jeder
Reiche und jeder Machthaber stand über den Gesetzen. Galanterie
und Prunk waren offenkundig die einzigen Betätigungen im Gewimmel
der Fremden und der Einheimischen. Die beiden Nichten des Papstes,
die Gräfin Orsini und die Fürstin von Campobasso, teilten
sich in die Macht ihres Onkels und in die Huldigungen des Hofes. Die
Schönheit beider Frauen wäre aufgefallen, selbst wenn sie
der Hefe des Volkes angehört hätten. Die Orsini, wie man in
Rom familiär zu sagen pflegte, war heiter und lebenslustig, die
Campobasso verträumt und fromm. Aber gerade diese zarte Seele war
der wildesten Leidenschaft fähig. Ohne erklärte Feindinnen
zu sein, wiewohl sie sich tagtäglich beim Papste trafen und sich
oft besuchten, waren die beiden Damen Nebenbuhlerinnen in allem, in
ihrer Schönheit, ihrem Ansehen, ihrem Reichtum. Die Gräfin
Orsini war weniger schön, aber sie war verführerisch,


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