Die Truhe - Henri Beyle - Страница 1 из 29


1827 ritt Don Blas Bustos y Mosquera, der Polizeimeister von Granada,
mit einem Gefolge von dreizehn Reitern ins Dorf Alcolote. Es liegt
eine Wegstunde von der Stadt. Bei seinem Anblick rannten die Bauern in
ihre Häuser und verriegelten die Türen. Voll Schaudern
lugten die Weiber aus den Fensterecken nach dem schrecklichen Manne.
Die Vorsehung hatte seine Grausamkeit gestraft und seiner Gestalt den
Ausdruck seiner Seele aufgedrückt. Er war sechs Fuß lang,
schwarz und gräßlich mager, vom Scheitel bis zur Sohle
Polizeimeister; der Bischof und der Gouverneur zitterten vor ihm.
Während des Volkskrieges gegen Napoleon, in jenen
Guerillakämpfen, die den Spanier des neunzehnten Jahrhunderts vor
der Nachwelt dem Franzosen gleichwertig machen, war Don Blas ein
berühmter Bandenführer. An Tagen, da seine Schar nicht
wenigstens einen Franzosen zur Strecke brachte, schlief er in keinem
Bett; das hatte er geschworen. Nach Ferdinands Rückkehr (1814)
kam er auf die Galeeren von Ceuta. Acht Jahre ertrug er entsetzliches
Elend. Man hatte ihn beschuldigt, er wäre in seiner Jugend
Kapuziner gewesen und dem Kloster entsprungen. Schließlich ward
er begnadigt; niemand erfuhr, warum. Nie spricht er ein Wort. Seine
Schweigsamkeit ist allbekannt. Ehedem rühmte man seinen scharfen
Witz. Keinen Gefangenen ließ er henken, ehe er ihm ein
drastisches Wort zugerufen hatte. Seine gräßlichen Scherze
erzählten sich beide Heere. Don Blas ritt im Schritt durch die


-10     пред. Страница 1 из 29 след.     +10