Eine Geldheirat - Henri Beyle - Страница 1 из 425


Sommers 182* kam der junge Leutnant Liéven vom 96. Regiment,
das in Bordeaux steht, aus dem Kaffeehause. Er hatte sein gesamtes
bares Geld verspielt, und da er ein armer Schlucker war, so
ärgerte er sich über seine Torheit. In dieser Stimmung
schritt er – es mochte etwa zwei Uhr sein – durch die
Stille einer der ödesten Gassen des Stadtviertels Lormond, als er
plötzlich Lärm hörte. Krachend flog eine Haustür
auf; ein menschliches Wesen stürzte heraus und fiel ihm gerade
vor die Füße. Es herrschte aber eine derartige
Stockdunkelheit, daß er sich alle diese Vorgänge nur aus
den Geräuschen zusammenreimen konnte. Die zu vermutenden
Verfolger der Person blieben offenbar im Hause zurück, weil sie
die Tritte des Vorüberkommenden vernommen hatten. Der
Offizier lauschte einen Augenblick. Er hörte
Stimmengeflüster hinter der Türe; indessen zeigte sich
niemand. Der ganze Vorfall war ihm widerwärtig, dennoch hielt er
es für seine Pflicht, dem am Boden liegenden Menschen
aufzuhelfen. Jetzt erst nahm er wahr, daß dieser nur ein
Hemd anhatte, und trotz der tiefen Dunkelheit kam es ihm vor, als
erkenne er langes aufgelöstes Haar. Es war also ein weibliches
Wesen. Das war eine Entdeckung, die dem Leutnant durchaus nicht
behagte. Es war der Wiederaufgerichteten sichtlich nicht
möglich, ohne fremde Hilfe zu gehen. Abermals mußte sich
der Offizier die Pflichten der Menschlichkeit vorhalten. Am liebsten


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