Rot und Schwarz - Henri Beyle - Страница 1 из 705


eine der hübschesten der Freigrafschaft gelten. Ihre weißen
Häuser mit Spitzdächern von roten Ziegeln schmiegen sich dem
Hang einer Höhe an, deren wellige Silhouette von den Wipfeln
mächtiger Kastanien getragen wird. Ein paar hundert Schritt
unterhalb der ehedem von den Spaniern erbauten, heute verfallenen
Befestigungen fließt der Doubs. Gegen Norden ist
Verrières geschützt durch einen hohen Bergrücken,
einen Ausläufer des Juragebirges. Die zackigen Gipfel des Verra
sind schon bei den ersten Oktoberfrösten mit Schnee bedeckt. Ein
munterer Bach, dem Gebirge entsprungen, durchrauscht das
Städtchen und ergießt sich in den Doubs. Sein Wasser treibt
eine Menge Sägemühlen. Diese einfache Industrie gewährt
dem größeren Teil der mehr städtischen denn
ländlichen Einwohnerschaft ein behagliches Dasein. Indessen
verdankt das Städtchen seinen Reichtum nicht den
Sägemühlen, sondern der Herstellung von bunter sogenannter
Mülhauser Leinwand. Infolge der allgemeinen Wohlhabenheit sind
seit Napoleons Sturz fast alle Häuserfassaden von
Verrières neu erstanden. Kaum hat man den Ort betreten, so
zerreißt einem der laute Lärm einer dröhnenden, gar
bedrohlich aussehenden Maschine die Ohren. Ein paar Dutzend wuchtiger
Hämmer erschüttern mit ihrem Auf und Nieder das
Straßenpflaster. Sie werden durch ein Rad gehoben, das der
Gebirgsbach treibt. Jeder dieser Hämmer stellt täglich
viele, viele tausend Nägel her. Frische hübsche Mädchen


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