Vanina Vanini - Henri Beyle - Страница 1 из 39


war an einem Frühlingsabend des Jahres 1829. Ganz Rom war in
Bewegung. Der Duca di Bracciano (der berühmte Bankier Torlonia)
gab in seinem neuen Palazzo an der Piazza di Venezia einen Ball. Was
die Künste Italiens, was der Luxus von Paris und London an Prunk
und Pracht nur aufbieten konnten, hatte zum Schmucke des Palastes
beigetragen. Britanniens kühle blonde Schönheiten waren ob
der Ehre der Einladung in Wallung geraten. Sie kamen in Menge, und die
schönsten Römerinnen machten ihnen den Ruhm ihrer
Schönheit streitig. So war auch eine junge Dame in Begleitung
ihres Vaters erschienen, der man ihre römische Herkunft auf den
ersten Blick an ihrem ebenholzschwarzen Haar und ihren flammenden
Augen ansah. Die allgemeine Aufmerksamkeit wandte sich ihr zu. Aus
jeder ihrer Bewegungen sprach seltsamer Hochmut. Angesichts all des
Glanzes waren die anwesenden Ausländer sichtlich verblüfft.
»Kein König in ganz Europa gibt solch ein Fest!«
sagten sie. Die europäischen Potentaten haben aber auch keine
Paläste in römischer Architektur, und sie müssen ihre
Damen nach der Hofrangordnung einladen, während der Duca di
Torlonia nur hübsche Frauen in sein Haus bittet. An diesem Abend
hatte er dabei besonderes Glück. Die Männer waren wie
geblendet, und es war nur die Frage, welche unter so vielen
schönen Frauen die allerschönste sei. Eine Zeit lang war man
sich hierüber nicht einig; aber schließlich erklärte


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