Zu viel Gunst schadet - Henri Beyle - Страница 1 из 59


die ich nicht nennen werde, gab es im Jahre 1589 und gibt es noch
heute ein düsteres und weitläufiges Kloster. Seine schwarzen
wohl fünfzig Fuß hohen Mauern verfinstern ein ganzes
Straßenviertel. Drei Straßen werden von diesen Mauern
begrenzt; an der vierten Seite breitet sich der Garten des Klosters
aus, der bis zum Stadtwall reicht. Diesen Garten umgibt eine weniger
hohe Mauer. Die Abtei, der wir den Namen Santa Riparata geben wollen,
nimmt nur die Töchter des höchsten Adels auf. Am 20. Oktober
1587 waren alle Glocken des Klosters in Bewegung; die Kirche war
für die Gläubigen offen und mit prachtvollen Wandteppichen
aus rotem mit reichen Goldfransen verziertem Damast ausgeschlagen. Die
fromme Schwester Virgilia, die Geliebte des neuen Großherzogs
von Toskana, Ferdinand I., war am Abend vorher zur Äbtissin von
Santa Riparata erhoben worden, und der Bischof der Stadt, von seinem
ganzen Klerus gefolgt, war zur feierlichen Einsetzung gekommen. Die
ganze Stadt war in Aufregung und das Gedränge in den Gassen um
Santa Riparata so groß, daß es unmöglich war, dort
durchzukommen. Der Kardinal Fernando Medici, der auf seinen Bruder
Francesco gefolgt war, jedoch ohne deshalb auf den Kardinalshut
Verzicht zu leisten, war sechsunddreißig Jahre alt und seit
fünfundzwanzig Jahren Kardinal; er war im Alter von elf Jahren zu
dieser hohen Würde erwählt worden. Die Regierung Francescos,
der heute noch durch seine Liebe zu Bianca Capello berühmt ist,


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