Der Weg der Welt. Visionen der Hildegard von Bingen - Hildegard von Bingen - Страница 1 из 233



Hildegard von Bingen Zur Einführung Deutschland hat
eine dantegleiche Frau und kennt ihr Werk nicht, das Werk der
größten Dichterin und Philosophin des deutschen
Mittelalters, einer Prophetin und einer Heiligen, der alle
Größen ihrer Zeit, Bernhard und Barbarossa, die
Kirchenfürsten und weltlichen Fürsten in Ehrfurcht gehuldigt
haben, und die so hoch über gemeinmenschliches Maß
hinausragt, daß eben dies Übermenschliche bedrückt und
scheu macht, an das Geheimnis dieser Persönlichkeit zu
rühren und zu fragen, was ihr Werk zu bedeuten hat. Die
Heiligengestalt ist bekannt und in ein paar guten und weniger guten
Biographien gezeichnet, aber ihr Werk ist geschützt durch den
Feuerkreis des symbolischen Geistes, und seine heroische Höhe ist
nur zugänglich durch Geist, durch Denken in mittelalterlichem
Geiste. Dabei ist es wiederum nicht die deutsche Mystik, jene Mystik
des 14. Jahrhunderts, die dank den Romantikern und Germanisten
leidlich erforscht, teilweise übersetzt und in ihren großen
Namen wenigstens als Gemeingut der Gebildeten gelten kann und auch
nicht die Scholastik des 13. Jahrhunderts, die langsam durch
einen großen Kreis deutscher und ausländischer Gelehrter
wieder zugänglich gemacht wird, sondern es ist die Weltanschauung
des 12. Jahrhunderts, die am besten deutscher Symbolismus genannt
werden kann und allein hinzuführen vermag zum Werk der


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