Cäsar Birotteau - Honoré de Balzac - Страница 1 из 479


Winternächten hört der Lärm in der Rue
Saint-Honoré nur für einen Augenblick auf; die
Gemüsehändler, die in die Markthalle fahren, setzen das
Geräusch der Wagen fort, die aus den Theatern oder von den
Bällen nach Hause rollen. Gerade in dieser kurzen Ruhepause des
Pariser Straßenlärms, die gegen ein Uhr morgens eintritt,
fuhr die Frau des Parfümeriehändlers Cäsar Birotteau,
der nahe am Vendômeplatz sein Geschäft hatte, jäh aus
einem entsetzlichen Traum in die Höhe. Sie hatte sich doppelt
gesehen, sie war sich selbst, in Lumpen gehüllt und mit
vertrockneter runzliger Hand die Türklinke ihres eigenen Ladens
öffnend, erschienen, so daß sie sich gleichzeitig auf ihrer
Türschwelle und in ihrem Kontorsessel befand; sie bettelte sich
selbst um ein Almosen an, sie hörte sich zugleich an der Tür
und im Kontor sprechen. Sie wollte nach ihrem Mann greifen und
faßte mit der Hand auf eine kalte Stelle. Da wurde ihre Angst so
gewaltig, daß sie ihren steifgewordenen Hals nicht mehr bewegen
konnte; die Kehle war ihr wie zugeschnürt, sie konnte keinen Ton
herausbringen; die stieren Augen aufgerissen, das Haar schmerzhaft
sich sträubend, die Ohren voll von fremdartigen Tönen, das
Herz zusammengepreßt, aber heftig schlagend, so saß sie
starr wie festgebannt da, zugleich in Schweiß gebadet
und zu Eis erstarrt, mitten in dem Alkoven, dessen beide Türen
offen standen. Die Furcht ist ein halb krankhaftes Gefühl,


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