Das Haus Nucingen - Honoré de Balzac - Страница 1 из 103


Ihr wißt, wie dünn die Scheidewände sind, die in
den vornehmen Pariser Speiselokalen die kleinen Einzelräume
voneinander trennen. Bei Véry zum Beispiel befindet sich mitten
im großen Saal eine Scheidewand, die je nach Bedarf entfernt und
wieder eingesetzt werden kann. Nicht hier war der Schauplatz dessen,
was ich berichten will, sondern an einem andern schönen Ort, den
ich jedoch nicht nennen mag. Wir waren zu zweit, und ich sage daher
mit Henry Monniers Prudhomme: ›Ich möchte sie nicht
kompromittieren.‹ In so einem behaglichen kleinen Salon
saßen wir und ließen uns die prächtigen Leckereien
eines vorzüglichen Mahles schmecken, wobei wir uns, da wir uns
über die geringe Stärke der Wände vergewissert hatten,
nur mit leiser Stimme unterhielten. Schon waren wir beim Braten
angelangt, und noch immer war das Nachbarzimmer leer, nur das Knistern
des Kaminfeuers drang zu uns herüber. Als es aber acht Uhr
schlug, wurde es drüben laut; man hörte sprechen und
Füße scharren; die Kellner schienen Kerzen herbeigebracht
zu haben, und es war klar: der Salon nebenan war besetzt worden. Als
ich die Stimmen vernahm, erkannte ich, mit welchen Leuten wir es zu
tun hatten. Es waren vier der kecksten Kormorane, die sich je auf den
ewig wechselnden Fluten der Gegenwart geschaukelt, liebenswürdige
junge Leute, deren Lebensweg recht ungewiß, deren Vermögen
und Besitztum man nicht kennt, und die sich dennoch nichts abgehen


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