Der Diamant - Honoré de Balzac - Страница 1 из 58


Diamant (La Paix du Ménage), deutsch von Emmi Hirschberg
Die Begebenheit, die in den folgenden Blättern dargestellt werden
soll, trug sich gegen Ende November des Jahres 1809 zu, in der Zeit,
als Napoleons flüchtige Herrschaft den höchsten Gipfel ihres
Glanzes erreicht hatte. Die Fanfaren des Sieges von Wagram hallten
noch im Herzen der österreichischen Monarchie wider. Der Friede
zwischen Frankreich und der Koalition war unterzeichnet. Die
Könige und Fürsten kamen herbei, um, gleich Gestirnen, ihre
Bahn um Napoleon zu beschreiben, der sich seinerseits ein
Vergnügen daraus machte, ganz Europa in seinem Gefolge hinter
sich herzuziehen, ein glänzendes Vorspiel zu dem Gepränge,
das er später in Dresden entfaltete. Nie hat Paris, nach
Aussage der Zeitgenossen, schönere Feste gesehen, als es
diejenigen waren, die der Heirat des Herrschers mit der Erzherzogin
aus dem Hause Österreich vorangingen und folgten. Nie hatten sich
in den größten Tagen der ehemaligen Monarchie so viele
gekrönte Häupter an den Ufern der Seine
zusammengedrängt, und nie war der französische Adel so reich
und so glänzend gewesen wie damals. Die Diamanten, im
Überfluß an jedem Schmuckstück angebracht, die
Gold- und Silberstickereien der Uniformen stachen so sehr von der
Dürftigkeit der Republik ab, daß man glaubte, auf einmal
die Reichtümer des ganzen Erdballs in den Salons von Paris zu
erblicken. Eine allgemeine Trunkenheit hatte dieses kurzlebige


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