Der Landarzt - Honoré de Balzac - Страница 1 из 375


Frühlingsmorgen des Jahres 1829 verfolgte ein etwa
fünfzigjähriger Mann zu Pferde einen Gebirgsweg, der nach
einem großen, bei der Grande-Chartreuse gelegenen Marktflecken
führt. Dieser Marktflecken ist der Hauptort eines volkreichen
Kreises, der von einem langen Tal gebildet wird. Ein reißender
Bergstrom, dessen steiniges Bett häufig trocken ist, nun aber
infolge der Schneeschmelze gefüllt war, benetzt das Tal, das von
zwei parallellaufenden Höhenzügen, die auf allen Seiten von
den Gipfeln Savoyens und des Dauphiné beherrscht werden,
eingeengt wird. Obwohl die zwischen der Kette der beiden Mauriennes
liegenden Landstriche sich ähnlich sehen, zeigt der Bezirk, durch
welchen der Fremde reiste, Geländeformationen und Nebenlichter,
wie der Maler sagt, die man anderswo vergeblich suchen würde.
Bald zeigt das plötzlich breiter werdende Tal einen
unregelmäßigen Rasenteppich von jenem Grün, das die
beständige von den Bergen stammende Bewässerung zu allen
Jahreszeiten so frisch und für das Auge so wohltuend erhält.
Bald zeigt eine Schneidemühle ihre bescheidenen, malerisch
hingestellten Gebäude, ihren Vorrat an langen, geschälten
Fichtenstämmen und ihren Wasserlauf, der von dem Wildbach
abgeleitet und durch große, grob ausgehöhlte
Holzröhren geführt wird, durch deren Risse ein Netz von
Wasserstrahlen entweicht. Hier und da erwecken strohgedeckte
Hütten, umgeben von Gärten voll blütenbedeckter


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