Bobbie oder die Liebe eines Knaben - Hugo Bettauer - Страница 1 из 185


  1926   R. Löwit Verlag, Wien und
Leipzig Zweite Auflage, 11. bis 16. Tausend Druck der
»Elbemühl«, Wien, III., Rüdengasse 11
I. Kapitel Bob und Gertie
Leichtfüßig wie eine junge Ziege sprang Bob die steinerne
Freitreppe hinauf und drückte anhaltend auf den Glockentaster an
dem großen, mit schönen Ornamenten geschmückten
Haustor. Die wenigen Augenblicke, die er warten mußte, blickte
er nach dem Haus auf der anderen Seite der Straße hinüber
und beschattete mit der schmalen, schlanken Knabenhand die Augen, um
besser zu sehen, schien aber doch nicht das erspähen zu
können, was er suchte. Nun öffnete aber auch schon ein alter
grauhaariger Diener, dem der weiße Backenbart einen
ehrwürdigen und gravitätischen Ausdruck verlieh.
Zärtlich und dabei doch gemessen steif begrüßte er den
Knaben mit »Guten Tag, junger Herr!«, worauf ihm Bob
vergnügt auf den Arm klopfte, mit »Grüß' Gott,
Eduard!« erwiderte, den Schulranzen auf eine mit einem Teppich
bedeckte Bank in der Diele warf und ungeduldig ausrief:
»Wo ist Mama?« »Die gnädige Frau hat eben
die Toilette beendet und liest im Wohnzimmer die Zeitung.«
Mit vier Riesensätzen, immer drei Stufen auf einmal nehmend,
stürmte Bob die Treppe empor, und schon war er in dem
behaglichen, einfach eingerichteten Zimmer, in dem Frau Holgerman das


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