Annas Ehe - Ida Boy-Ed - Страница 1 из 296


sich zur Hochzeit ihres Bruders. Da die Räumlichkeiten im
Vaterhause der Braut nur beschränkter Art waren, hatten die
beiden Damen sich mit einem gemeinsamen Schlafzimmer begnügen
müssen, an welches ein Raum stieß, den sie als
»Salon« betrachten konnten. Die Gräfin Renate hatte
nicht so viel guten Willen und stellte fest, daß diese
Einrichtung, bestehend aus ein paar grünen
Plüschstühlen, einem graubunten Sofa, einem
Bücherschrank von Mahagoni, einem Schreibtisch von
weißlackiertem Holz und einem Sofatisch, der braungebeizte Beine
hatte, aus dem ganzen Haus erst für diese Gelegenheit
zusammengesucht sein müsse. Ihre um ein Jahr ältere
Schwester aber, die Gräfin Herdeke, meinte, daß diese
zusammengesammelte Einrichtung ein wahres Glück sei, sie
zöge Renatens Kritik auf sich, die somit von irgend einem andern
Gegenstand abgelenkt werde. »Ach,« sagte Renate,
»hier gäbe es so viel zu kritisieren, daß es gar
nicht das Anfangen lohnt.« Sie kramte aus ihrem Koffer die
Kleinigkeiten heraus, die ihre lilaseidene Toilette vollständig
machen sollten, und legte sich Spitzentaschentuch, Handschuhe,
Fächer und Schmuck zurecht. Ein Stück tat sie neben das
andre, in pedantischer Ordnung, als sollte hier auf dem Sofatisch eine
Ausstellung dieser Gegenstände stattfinden. Die Sonnenstrahlen,
die im breiten Bündel zum Fenster hereinkamen, trafen einige
Steine der Kette von Brillanten. Renate schob auch noch die


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