Die Opferschale - Ida Boy-Ed - Страница 1 из 420


Rechtsanwalt Doktor Thomas Steinmann die Papiere in seine Aktenmappe
legte, sprach Graf Leuckmer voll Zufriedenheit: »Nun
hätte man also seinen Lebensrest klar vor sich!«
›Klar?‹ dachte der jüngere Mann. »Das
kann so völlig nur jemand genießen, der's viele Jahre
mühsam gehabt hat«, fuhr der Graf fort. »Und ohne
Ihres Vaters klugen Rat wäre ich nicht immer
durchgekommen.« ›Ja‹, dachte Steinmann weiter,
›und jetzt fehlt der Rat, und meiner ist nicht beeinflussend
genug.‹ Graf Leuckmer lächelte. Das gab seinem
bleichen, feingemeißelten Kopf einen Ausdruck von Güte und
Überlegenheit. »Es gibt Menschen, die sehr deutlich
denken können«, sagte er. Da mußte auch Thomas
Steinmann ein wenig lächeln. »Ich bin und bleibe nun
einmal ein Gegner von ausländischer Kapitalanlage. Vor allem in
diesem Fall, wo Sie nach vielen schweren Jahren endlich durch die
Erbschaft ins Sorglose gekommen sind und schon aus
Gesundheitsrücksichten das Gefühl der Sicherheit nicht aufs
Spiel gesetzt werden dürfte.« Sein offenes,
männliches Gesicht, die grauen Augen voll Lebhaftigkeit und
Wärme, der ganze blonde Kopf machten ihn zu einer gewinnenden
Erscheinung. Seine Gestalt war ziemlich groß und kraftvoll,
und seine Freunde hatten früher von ihm gesagt, er habe etwas
Siegfriedhaftes. Berufsernst und Jahre streiften den
Jünglingszauber ab, aber eine gerade, herzliche Frische war seine


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