Empor! - Ida Boy-Ed - Страница 1 из 257


seit vielen Stunden bald wach, bald in unruhvollem Halbschlummer
gelegen hatte, in Erwartung dieses Weckrufes, fuhr sie nun doch
erschreckt zusammen. Die ganze Nacht hatte sie keinen rechten Schlaf
finden können, und nun schien es ihr, als wären ihre Glieder
bleischwer von Müdigkeit. Sie kam indessen in die Höhe
und machte Licht. Schmerzhaft schlossen sich ihre Lider zunächst;
der blinkende Strahl der offenen Kerzenflamme tat dem Auge weh, nach
der Dunkelheit der Nacht. Ein Kälteschauer rann ihr durch die
Glieder. Sie sah nach der Taschenuhr, welche auf dem
Marmortischchen neben ihrem Bett lag. »Halb
fünf.« Schon der bloße Gedanke an diese
winterliche Morgenfrühe machte frieren. Aber mit einem
Seufzer, kurz und entschlossen, stand Irene auf. Sie ging mit nackten
Füßen auf dem Teppich, welcher den ganzen Boden bedeckte,
bis an das Fenster und zog die Gardinen zurück. Das Glas
glich einer verschrammten und zernarbten Milchscheibe, so war es von
rauhweißen Eisblumen bedeckt. Nur an dem Mangel von
Transparenz sah man, daß hinter dem Fenster schwarze Nacht
gähnte. Im Zimmer war es sehr ausgekältet; man hatte am
Abend vergessen die Ofentüren zuzuschrauben und so hatte sich die
letzte Spur von Wärme aus den Kacheln verflüchtigt.
Unerquickt, mit brennenden Lidern und schwerfälligen Bewegungen
machte Irene sich an die Mühe des Ankleidens. Die Bewegungen


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