Reisebriefe - Jakob Ludwig Felix Mendelssohn Bartholdy - Страница 1 из 377


von Karl Begas 1821 »In musikalischen Kreisen hatte ich
von den außerordentlichen Fähigkeiten des Knaben
gehört, ihn in der Singakademie und in Zelters Freitagsmusiken
gesehen, auch in einer Singeteegesellschaft getroffen, wo er unter den
Erwachsenen in seinem Kinderanzuge, dem sogenannten Habit, stand:
einer am Halse weit ausgeschnittenen engen Jacke, über welche das
weite Beinkleid geknöpft war. In dessen seitwärts
eingeschnittenen Taschen hatte der Kleine gern die Hände gesteckt
und wiegte den Lockenkopf seitwärts hin und wider.« (Aus
Devrients Erinnerungen an Mendelssohn) Weimar, den
21. Mai 1830. Eines so heitern frischen Reisetags wie des
gestrigen, weiß ich mich gar nicht zu entsinnen seit meiner
Reisepraxis. Früh Morgens war der Himmel grau und bedeckt, die
Sonne kam erst später durch; dazu kühle Luft und
Himmelfahrtstag; die Leute waren geputzt, und ich sah sie in einem
Dorfe in die Kirche gehen, in einem anderen wieder herauskommen,
wieder in einem andern Kegel schieben; bunte Tulpen gab's überall
in den Gärten, und ich fuhr schnell, und sah mir alles an. In
Weißenfels gaben sie mir einen kleinen Korbwagen, und in
Naumburg gar eine offene Droschke; die Sachen wurden hintenauf
gepackt, sammt dem Hut und Mantel; ich kaufte mir ein Paar
Maiblumensträuße, und so ging's durch das Land, wie auf
einer Spazierfahrt. Hinter Naumburg kamen Pförtner-Primaner, und
beneideten mich; dann fuhren wir dem Präsidenten G. in einem


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