Der Derotero des Indianers - Josef Baierlein - Страница 1 из 80


Baierlein   Zweite Auflage    
Regensburg
Druck und Verlag von Josef Habbel.
[ca. 1920]     1.
Der Falschspieler. Im Jahre 1860 am 1. Dezember, also zu
jener Jahreszeit, in welcher in Südamerika der Sommer beginnt und
wo die fortwährenden Regengüsse aufhören, die ein
Kennzeichen des südlichen Winters und Frühlings sind, hatte
sich hinter den alten Festungsmauern von Valdivia auf einer vom
Stadtverkehr ziemlich abgeschnittenen Wiese eine Schar von Leuten
versammelt, deren Aussehen verriet, daß sie den niedrigsten
Ständen der chilenischen See- und Handelsstadt angehörten.
Es waren durchweg Lastträger, Schiffer, Viehtreiber und
namentlich Mineure und Bergwerksarbeiter aus den damals im vollen
Betrieb stehenden Silberbergwerken von Valdivia, die den entlegenen
Winkel hinter der Festung aufgesucht hatten, um dort dem
leidenschaftlich geliebten Montespiel zu frönen. Die Sonne
strahlte in ihrer vollen Pracht vom azurblauen Himmel hernieder und 6
spiegelte sich im breiten Valdiviastrom, der gleich einem silbernen
Bande aus dem dunklen Grün des Urwalds sich herwälzend in
majestätischer Freundlichkeit vor den alten Festungswerken
vorüberfloß. Unzählige Boote und Kanoes fuhren hin und
her, auf denen die Bewohner der Umgegend teils ihre Landesprodukte
nach Valdivia brachten, teils Waren von dort nach dem Hafen von Corral
verluden. Auch Scharen von Indianern langten am Landungsplatz an, die


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