Der Spruchbauer - Josef Baierlein - Страница 1 из 167


Josef Baierlein   3. Auflage    
Regensburg
Druck und Verlag von Josef Habbel
[ca. 1910]     1. Anders
geartet als die übrige Menschheit von Schattendorf war der
Großbauernsohn Stephan Niedermaier von jeher gewesen. Das hatten
auch seine Eltern gemerkt und deshalb den Spintisierer und Sinnierer,
der lieber mit offenen Augen träumend unter dem Blätterdach
eines Baumes lag und den ziehenden Wolken nachsah, statt im Feld und
auf den Wiesen mitzuhelfen, nach Regensburg geschickt – zum
Studieren. Sie waren der Meinung gewesen, in dem Stephan stecke das
Zeug zu einem geistlichen Herrn. Warum gerade zu einem solchen, blieb
unaufgeklärt. Vielleicht dachten die guten Alten, ein geistlicher
Herr hätte nichts anderes zu tun, als den Wolken nachzuschauen,
sobald er nur mit seinen kirchlichen Verrichtungen fertig wäre.
Ehe Stephan Niedermaier an sich selbst erproben mußte, wie
irrig und grundfalsch diese etwaige Meinung seiner Eltern war, machte
der liebe Gott einen Strich durch der letzteren 2 Rechnung. Denn in
einem und demselben Jahre starben sein Vater und sein jüngerer
Bruder, der voraussichtliche Erbe des großen Besitztums, an den
Pocken und dem Stephan blieb, da weder ein anderer Sohn noch eine
Tochter vorhanden war, nichts übrig, als die lateinischen und
griechischen Bücher in die Ecke zu stellen und nach Schattendorf
zu seiner verwitweten, einsam zurückgebliebenen Mutter


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