Unschuldig verurteilt - Josef Baierlein - Страница 1 из 79


von Josef Baierlein Dritte Auflage    
Regensburg
Druck und Verlag von Josef Habbel
[ca. 1915]     I. Im Hause
des Gütlers Valentin Schmiedkonz im oberpfälzischen Dorf
Zirkenreuth waren Trauer und Bekümmernis eingekehrt. Denn gestern
hatte sich der Gerichtsdiener von Waldsassen eingefunden und unter
anderen Militärpflichtigen auch dem Gütlerssohn Wolfgang
Schmiedkonz den Befehl zugestellt, sich am andern Tage nach dem
Amtssitz zu begeben, um von dort aus mit den übrigen Rekruten zu
seinem in Amberg garnisonierenden Regiment gebracht zu werden. Das war
der Grund, weshalb im Schmiedkonzschen Hause Kummer und
Bestürzung herrschten. »Ach!« jammerte Wolfgangs
alte Mutter, »ist es denn nicht genug, daß wir schon zwei
Söhne verloren haben? Unser Franz und der Thomas sind in
Rußland gefallen; wir können nicht einmal ihre Gräber
besuchen, um an diesen für ihre Seelen zu beten. Und nun nimmt
man uns den letzten Sohn auch noch! Hat denn der Kaiser Napoleon kein
Gewissen? Fürchtet er sich nicht vor dem Gericht Gottes, wenn er
einmal Rechenschaft geben muß 2 wegen des vielen Bluts, das
seinetwegen geflossen ist? Denn sicher und gewiß muß unser
König die jetzt neu ausgehobenen Soldaten auch wieder dem
Franzosenkaiser zuschicken, damit der sie auf die Schlachtbank
führen kann.« »Laß es gut sein,
Marianne,« suchte der Gütler seine Frau zu trösten,


-10     пред. Страница 1 из 79 след.     +10