Erzählungen aus der alten Welt - Karl Friedrich Becker - Страница 1 из 853


Ihr habt längst – begann der Lehrer, nachdem sich der Kreis
seiner Zöglinge um ihn gesammelt hatte – von dem
berühmten trojanischen Kriege gehört. Ihr wißt,
daß es nach einer zehnjährigen Belagerung endlich der
vereinigten Macht der Griechen gelungen war die stolze Stadt des
Priamos zu erobern. Troja, oder wie Homer sie gern nennt, die heilige
Ilios wurde zerstört und verbrannt, und die Fürsten, die nun
des Kampfes und der Abenteuer genug hatten, zogen ihre Schiffe ins
Meer und segelten mit ihren Gefährten in die Heimat zurück.
Mancher erreichte dieselbe glücklich, mancher aber ward von
Stürmen auf dem Meere umhergetrieben und irrte lange unter Elend
und Gefahren aller Art umher. Agamemnon, der tapferste der
übriggebliebenen Helden, erfuhr noch größeres
Unglück. Frommen Herzens den Göttern für seine
Rückfahrt dankend, erblickte er den väterlichen Palast,
eilte freudig in die Arme seiner lang entbehrten Gattin, ohne zu
wissen, daß die Treulose sich während seiner
zehnjährigen Abwesenheit mit einem andern vermählt hatte.
Die Ehebrecherin empfängt ihn mit verstellter Zärtlichkeit
und bereitet ihm ein Bad; er entkleidet sich und streckt die
müden Glieder mit Wohlbehagen. Da plötzlich, indem er
sorglos ruht, überfällt ihn der Räuber seines Eigentums
und seiner Gattin mit derselben und tötet ihn mit dem Schwerte.
Nicht so handelte die edle Penelope, des tapfern Odysseus
schöne Gemahlin. Auch sie hätte, wenn sie gewollt, sich


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