Der Weg durch die Luft - Konstantin Balmont - Страница 1 из 30


unmöglich so weitergehen. Alles andere, alles, nur nicht das. So
tief gesunken war ich und so schwach. Der Tod wäre besser. Ich
sehnte mich nach ihm. Von jedem Tag und von jeder Stunde erwartete ich
Erlösung, doch sie kam nicht. Ich erwartete irgendeine Nachricht,
irgendeinen Besuch. Ich dachte, gleich geht die Tür auf und meine
Qual hat eine Ende. Nichts, niemand, nichts. Woher sollte auch die
Erlösung kommen, da doch der ganze Schmerz und der ganze
Schrecken aus meinem Innersten kamen? Melitta sagte:
»Hast du wieder Kopfweh?« »Ja, wieder.«
»Was sollen wir denn machen? Es nimmt ja kein Ende.«
Sie sprach dies mit Schmerz, denn ich tat ihr leid. Ich
übersetzte aber die Worte vor mich hin: wenn es keine Ende nimmt,
so muß man eben ein Ende machen. Gewiß. Das Leben
drängte mich zur Entscheidung. Jeder Mensch, der über den
Korridor unseres Hotels ging, jeder Mensch auf der Straße
wußte doch, wohin und wozu er geht. Jeder tat seine Arbeit, ich
konnte aber nichts tun. Seit vielen Monaten konnte ich nicht mehr
arbeiten. Was sollte ich denn auch arbeiten? Ist das Bücherlesen
eine Arbeit? Und wenn ich lesen könnte! Nach zwei Seiten, oft
nach wenigen Zeilen bekam ich Kopfweh, ein Spinngewebe legte sich um
mein Gehirn, ich las zum fünftenmal den gleichen langen Satz,
erschrak in seiner Mitte, klammerte mich krampfhaft an irgendein Wort,
las den Satz wieder von neuem und konnte ihn nie zu Ende lesen. Der


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