Bedingt begnadigt - Laurids Bruun - Страница 1 из 184


geworden, daß er nicht mehr schreiben konnte. Er hatte
sich erhoben, um Licht anzuzünden, der Garten aber hatte seinen
Blick auf sich gezogen, und er ließ sich auf den alten
hochlehnigen Sessel am Fenster niederfallen. Er hatte
angefangen, die Erinnerungen seines Lebens, die Geschichte seiner
Gedanken zu schreiben, damit die Tage schneller vergehen sollten.
Jeder Morgen fragte ihn mit seinem leeren, grauen Blick: Hast du mir
nichts zu gelben? Soll ich wie mein Bruder Gestern hinwelken?
Darum hatte er sich niedergesetzt, um zu bezeugen, was er den Tagen in
früheren Zeiten gegeben hatte, als sie noch von seinen Siegen
gefärbt worden waren. Die Tage, die jetzt verrinnen, sind
bleich, als ob sie alle November hießen, nichts kann er ihnen
geben, als die Erinnerungen an ihre dahingegangenen Brüder. Einer
nach dem anderen fällt zur Erde, welkt wie die Blätter der
alten Akazie draußen, die ihre Neste von dem letzten Tagesschein
des Himmels abhebt. Es ist kalt im Zimmer. Als er sich
erhob, hatte sein Blick die matte Glut hinter dem Ofenrost gestreift:
doch während er dasaß und in das hineinstarrte, was aus dem
Nebel auftauchte, hatte er den Ofen wieder vergessen. Hände
streckten sich nach den seinen. Lächeln, wie Gold aus einem
dunklen Chorbogen, schimmert ihm entgegen. Ein Pfad, den er einst so
gern wanderte, liegt vor ihm mit zitternden Sonnenflecken auf dem


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