Briefe aus Paris - Ludwig Börne - Страница 1 из 1074


September 1830 Ich fange an, den guten Reisegeist zu
spüren, und einige von der Legion Teufel, die ich im Leibe habe,
sind schon ausgezogen. Aber je näher ich der
französischen Grenze komme, je toller werde ich. Weiß ich
doch jetzt schon, was ich tun werde auf der Kehler Brücke, sobald
ich der letzten badischen Schildwache den Rücken zukehre. Doch
darf ich das keinem Frauenzimmer verraten. Gestern abend war ich
bei S. Die hatten einmal eine Freude, mich zu sehen! Sie wußten
gar nicht, was sie mir alles Liebes erzeugen sollten, sie hätten
mir gern die ganze Universität gebraten vorgesetzt. Mir
Ärmsten mit meinem romantischen Magen! Nicht der Vogel Rock
verdaute das. Die W. hat einen prächtigen Jungen. Ich sah eine
schönere Zeit in rosenroter Knospe. Wenn die einmal aufbricht!
Wie gern hätte ich ihn der Mutter gestohlen und ihn mit mir
über den Rhein geführt, ihn dort zu erziehen mit
Schlägen und Küssen, mit Hunger und Rosinen, daß er
lerne frei sein und dann zurückkehre, frei zu machen. In
Heidelberg sah ich die ersten Franzosen mit dreifarbigen Bändern.
Anfänglich sah ich es für Orden an, und mein
Ordensgelübde legte mir die Pflicht auf, mich bei solchem
Anblicke inbrünstig zu ärgern. Aber ein Knabe, der auch sein
Band trug, brachte mich auf die rechte Spur. Ich mußte
lachen, als ich nach Darmstadt kam und mich erinnerte, daß da
vor wenigen Tagen eine fürchterliche Revolution gewesen sein


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