Gedichte - Ludwig I. von Bayern - Страница 1 из 142


Schwingt es euch zum hohen Ideale,
Zu dem Blüthenreich der Phantasie.
Kaum berühret das gemeine Leben
Euer himmelwärts gekehrtes Schweben,
Seligkeit empfindet ihr schon hie.
Freudig siehet, wie's um sie gestaltet,
Eure glühende Begeisterung;
Glückliche! die niemals ihr veraltet,
Ewig bleibt der Künstler froh und jung. Mag den Himmel
grau Gewölk bedecken,
Endlos die Natur sich kalt erstrecken.
Doch in euch ist's südlich warm und licht,
Und das Schöne, was ihr einst empfunden,
Treibet Blüthen noch in späten Stunden,
Wird zum Ton, zum Bilde, zum Gedicht.
Wenn versunken längst die Sonnenstrahlen,
Glänzt ihr Widerschein noch in der Luft,
Auf dem heitern Himmelsraum sich malen
Ihre Gluten, auf dem Abendduft. An das Ird'sche seyd ihr
nicht gekettet,
Aus des Trübsinns Traurigkeit gerettet,
Aus der lastenden Alltäglichkeit.
Sorge haltet nimmer euch befangen,
Liebend ist der Himmel aufgegangen,
Selig schwingt sich euer Geist befreyt.
Es berührt die Hülle nur die Erde,
In des Geist's unendlichem Gebiet;
Nicht gefaßt von irdischer Beschwerde,
Hohes Ideal die Seele sieht. Was als flüchtige Gestalt
geschwebet,
Das verwirklicht, daß es ewig lebet,
Herrlich eure hochbegabte Hand.
Was in einem Augenblick geboren,


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