Giftmischer und andre Detektivgeschichten - Mathias McDonnell Bodkin - Страница 1 из 168


»Lätitia Woodriff ist an Morphiumvergiftung gestorben. Es
liegt uns kein genügender Beweis vor, wie sie das Gift genommen
oder wer es ihr beigebracht hat. Wir können daher nur den durch
den Verlust seiner Tochter so schwer betroffenen Vater, Herrn
Woodriff, unsrer aufrichtigen Teilnahme versichern.« Die
Leichenschau war außer stande gewesen, das geheimnisvolle
Rätsel zu ergründen. Nachdem die Leute ihren Wahrspruch
abgegeben hatten, verließen sie mit geräuschlosem Tritt und
ernster Miene das Trauerhaus. John Woodriff aber schlich leise, als
fürchte er, sein totes Kind zu wecken, in das Zimmer zurück,
wo die schöne Leiche lag. Mit ängstlicher Scheu
berührte er das kalte, weiße Händchen auf dem Deckbett
und sah in das ruhige Antlitz, dessen bleiche Lippen noch im Tode
lächelten. Die holde Tochter, der Liebling und die Freude seines
Herzens, schien ihm auf einmal in so unermeßliche Ferne
entrückt, daß selbst seine Gedanken ihr nicht folgen
konnten. Es war nicht mehr sein Kind, mit dem ihn die innigste Liebe
verbunden hatte, das kalt und leblos vor ihm lag. Ein reiner, heiliger
Engel schwebte durchs Zimmer. Seine warmherzige, muntere und
zärtliche Letty hatte er auf immer verloren. Voll
leidenschaftlichen Schmerzes beugte er sich über sie und
drückte ihr einen Kuß auf die starren Lippen. Bei der
eiskalten Berührung ging es ihm wie ein Stich durchs Herz und er
fühlte die ganze Qual des Verlustes von neuem, obgleich seine


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