Novellen - Matteo Bandello - Страница 1 из 221


Zeiten der Scaliger bestanden zu Verona die zwei an Adel und Reichtum
über andere ragenden Familien der Montecchi und Capelletti,
zwischen denen, gleichviel aus welchen Gründen, eine so grausame
und blutige Feindschaft sich entsponnen hatte, daß in dem
wiederholten Handgemenge, welches sie zu ihrem immer ärgeren
Entflammen nach sich zog, nicht nur der eigenen Angehörigen,
sondern auch der Anhänger beider Geschlechter die Menge
getötet wurde. Als nun vorzeiten Bartolomeo Scala Herr von Verona
war, bemühte sich derselbe zwar, sie miteinander
auszusöhnen, kam aber nimmer damit zustande, weil ihr
gegenseitiger Haß zu tief gewurzelt hatte. Nichtsdestoweniger
bewirkte er so viel, daß er, wenn auch nicht den Frieden
stiftete, so doch den immerwährenden tätlichen
Ausbrüchen ihres Unfriedens steuerte, demzufolge schon
allmählich wieder viele von den beiden feindlichen Parteien
anfingen, miteinander zu reden. Da geschah es, daß dereinst
zur Karnevalszeit in dem Hause des gastfreien und lebensfrohen Antonio
Capelletto, des Hauptes seiner Familie, ein glänzendes Fest
gefeiert werden sollte, zu dem eine große Anzahl edler
Männer und Frauen eingeladen war, und daß unter anderen
Jünglingen auch Romeo Montecchio, etwa zwanzig bis einundzwanzig
Jahre alt, und wohl der schönste und gesittetste von allen,
hinging. Romeo war damals in heftiger Liebe zu einem jungen
Fräulein entbrannt, dem er schon seit zwei Jahren sein Herz


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