Das Auge Wischnus - Matthias Blank - Страница 1 из 113


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www.alte-krimis.de Irma stand am Fenster und schob den
schweren Vorhang mit der schmalen, weißen Hand etwas zur Seite.
Sie schaute auf die stille, menschenleere Straße, in der die
Villa Eller in dem alten Park zwischen mächtigen, breitkronigen
Bäumen stand. Das kalte Glas kühlte die heiße Stirne,
die sie gegen die Fensterscheibe preßte. Im Dunkel war
nicht viel zu erkennen; um so besser ließ es sich träumen.
Ihr Blick verlor sich in die Nacht hinaus. Irma Eller träumte
gern, träumte um so sehnsüchtiger, seit sie ihr erstes
Abenteuer erlebt. Sie wußte, daß man sie nicht
vermißte, daß kein suchender Blick auf sie fallen werde,
daß niemand nach ihr verlangte. In der Kaminecke in den bequemen
Stühlen saßen Walter Eller, ihr Vater, der alte Geheimrat
Hessel, Alice Renoldy und Professor Doncker. Die Herren rauchten
Zigarren, und Frau Renoldy blickte den blauen, dünnen Rauchringen
einer Zigarette nach. Irma wußte, wovon sie immer
plauderten, von alten Schmuckstücken, seltenen Steinen, von
Waffen, indischen und japanischen Bronzen; alle waren
leidenschaftliche Sammler, die sich hier in den behaglichen
Räumen des gastfreien Hauses öfter zusammenfanden. Sie
hörte einzelne Worte der lebhaft geführten Unterhaltung.
Niemand verlangte nach ihr; weshalb sollte sie sich dann nicht zu
Luftschlössern und Träumen flüchten? Als ihre Gedanken


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