Der Mord im Ballsaal - Matthias Blank - Страница 1 из 113


Im großen Theatersaal des Deutschen Theaters war eine
Theaterredoute. Dort herrschte ein Wirrsal ohnegleichen.
Rauschende Gewänder in Seide und Brokat, Perlen und blitzende
Steine, Blumen von betäubendem Duft, unendliche Blumen an den
Gewändern und auf Häuptern mit veilchenduftendem Frauenhaar.
Überall heiße, wangengerötete Gesichter. Aber
während die einen glühten im Feuer trunkener Jugendlust,
zeigten die anderen schon Spuren von den verschwundenen Jahren
durchlebter Genüsse dieses Daseins; wieder andere mit hohlen
Augen und Wangen, auf welchen der Puder und die Schminke in
phosphoreszierendem Glanze schimmerte. Neben der zerfressenden
Leidenschaft schwüler, verlebter Tage die Glückssehnsucht
erweckter Jugend. Grausam zerpflückte Blumen, welke
Treibhauspflanzen. Dazwischen herrliche blühende, aufkeimende
Rosenknospen. Über all diesem Hin- und Herwogen lag der
blendende Schimmer einer Menge elektrischer Lampen. Das monotone
Stimmengewirr, bisweilen unterbrochen durch ein lautes Lachen
oder einen Zuruf, wurde von den Parisienneklängen einer
Streichkapelle übertönt, zu denen sich die Paare in
schnellem Atem drehten. Nur einer stand einsam in einer Nische,
die den großen Saal trennte von dem in zierlichem Rokoko
erbauten Silbersaale, und sah diesem Getümmel interessiert zu.
Ein schwarzer, faltenreicher Domino hüllte gänzlich seine
schlanke Gestalt ein, eine schwarze Samtmaske machte sein Gesicht


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