Ein seltsamer Zeuge - Matthias Blank - Страница 1 из 113


Michael Gebhart war ein beneidenswerter, junger Mann. Er hatte in der
Auswahl seiner Eltern die nötige Sorgfalt walten lassen und sich
eine Wiege auserwählt, an der ein Elternpaar nur darauf wartete,
ihren Sprößling mit all dem zu überschütten, was
wir als den Inbegriff jeden Glückes anerkennen. Die reichen
Eltern hatten, so lange sie lebten, nur darauf hingearbeitet, das
einzige Kind glücklich zu machen. Und Michael Gebhart war
glücklich. Schon die Natur hatte ihn begünstigt. Er war
schön und von eleganter Erscheinung, besaß dabei aber ein
sehr zufriedenes Gemüt, das ihm auch ein Glück unter weniger
günstigen Verhältnissen gebracht hätte. Michael
war eben ein Schoßkind der launigen Glücksgöttin
Fortuna. Seine Eltern waren schon seit mehreren Jahren tot. Ganz
allein lebte er mit einer tüchtigen Wirtschafterin, die er mit
dem Erbe seiner Eltern übernommen hatte, und einem Hausburschen
in einer eleganten Wohnung. Wie es seine Gewohnheit war, hatte
Gebhart an dem wundervollen Sommertage schon in der
frühesten Morgenstunde, nur mit seinem Photographenapparate
ausgerüstet, allein einen Ausflug unternommen. Zur Mittagsstunde
war er zurückgekehrt, und sofort nach dem Essen war er in der
Dunkelkammer verschwunden, um die Bilder zu exponieren, die er auf
seinem Spaziergange aufgenommen hatte. Er war ein
leidenschaftlicher Amateurphotograph und hatte sich als solcher schon


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