Der Mord an der Jungfrau - Maurice Barrès - Страница 1 из 19


von Heinrich Lautensack »Immerzu traurig, Amaryllis! sollten
dich die jungen Herrn im Stich gelassen haben, deine Blüten welk,
deine Wohlgerüche ausgehaucht sein? Ließ Atys, das
göttliche Kind, von dir mit seinen eitlen Liebkosungen?
Amaryllis, wünsch dir was, einen Gott oder ein Kleinod,
wünsch dir alles, außer Liebe, die kann ich hinfort nicht
mehr; – obendrein, was vermöchte nicht ein Lächeln von
einer, die Aphrodite zärtlich liebt?« So sprach Lucius
gelinde mit Amaryllis, der sehr jungen Kurtisane mit den Goldaugen und
dem goldenen Haar; und ihr Barkschiff gleitet dazu auf dem blauen
Kanal hin, und die Seerosen rauschen. Von den schlafenden
Bäumen wacht unbewegt das Spiegelbild auf der Oberfläche des
tiefen Wassers. Das Ufer wartet prunkend auf mit seinen
wollüstigen Landhäusern, seinen Pomeranzenhainen und seiner
großen Stille. Zwischen dem grünen Gezweig leuchtet
zuweilen der gelb gewordene Marmor einer Gottfigur auf, und das
unveränderliche Verhalten dieser manchen Götter scheint wie
eine Geringschätzung der veränderlichen, schillernden Reden
der leichtblütigen Orientalin und ihres skeptischen Freunds.
Weit, weit und in der Wärme blaßrosenfarben
verfließend ist es nur die Linie der Berge, der Hort der
Einsiedlerischen und der wilden Tiere, die ein wenig diesen
Himmelstraum verstört. Und nun ist man schon dem Gestade sehr
nah, an dem die Stadt wollüstig hingelagert ist, von den Lippen


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