Der Mensch am Kreuz - Max Barthel - Страница 1 из 258


dem Tagebuch
eines katholischen Pfarrers * Bücherkreis Berlin,
1927   ©: Alexander Barthel   *
Endlos dehnen sich die Felder und Wälder in
Ostpreußen und verlieren sich nach der Steppenewigkeit
Rußlands. Wie eine blitzende Kette sind die vielen Seen in die
bäuerliche Erde verstreut. Darüber wölbt sich der
gewaltige Himmel. Im freien Raum zwischen den Wolken und den
Straßen sausen im Winter die krachenden Stürme. Die
Menschen, die hier wohnen, sind ernst und verschlossen. Viel
Schwärmerei und Schwermut ist in ihnen. Das nahe russische Blut
ist auch in ihre Adern verspritzt. Die Erlers stammten aus dem
Rheinland. Über zweihundert Jahre saßen sie schon als
Pioniere und Vorposten unter Masuren und Litauern hart an der
russischen Grenze. Sie waren meistens Lehrer und Organisten, liebten
die deutsche Sprache und ihr schönstes Kind, die Dichtkunst. Sie
liebten auch Mozart und Beethoven, und wenn sie heirateten, so nahmen
sie Bauerntöchter aus deutschem Blut. Paul Erler heiratete
in der Mitte des vorigen Jahrhunderts eine gewisse Klara Scheffler.
Sie lebten glücklich zusammen. Vier Kinder wurden ihnen geboren.
Zwei Kinder starben im jugendlichen Alter. Die Erlers waren nicht
wohlhabend. In dem armseligen Schulhäuschen bewohnten sie zwei
kleine Zimmer. An den Gräbern wurde Chopin gespielt und nicht
Mozart, aber in der Kirche saß der Organist nach jedem


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