Der Putsch - Max Barthel - Страница 1 из 181


BERLIN
1927   ©: Alexander Barthel  
Erster Teil Grauer Tag im November Der
Bürgerkrieg war schon oft durch die Stadt gestampft, hatte die
Straßen und Häuser verwundet, den Bahnhof erdrosselt, die
Brücken gesperrt und die Einwohner ängstlich gemacht. Schon
lange standen die Polizisten vor den großen Warenhäusern,
den Gummiknüppel neben der Pistole im Gürtel, und schon
lange sicherten die Juweliere ihre blitzenden Schaufensterauslagen
durch eiserne Gitter. Wenn man vor jenen Geschäften stand, konnte
man meinen, sie seien große, leuchtende und lichtsprühende
Käfige, in denen die edlen und strahlenden Steine weiter nichts
seien als kristallisierte Tränen. An einem grauen
Novemberabend marschierten fünfzig Mann durch diese herbstliche
Stadt. Sie kamen ohne Fahnen und Armbinden, ihre Kleider waren
abgetragen oder Uniformen aus dem letzten Krieg, sie waren wie ein
dunkler Gewalthaufen mit umgehängten Gewehren, eine zur Erde
herabgesunkene Sturmwolke. Nein, sie brauchten keine Fahnen und auch
keine Armbinden, für die Marschierenden war immer noch Krieg. In
Berlin und im Land hatten die Generale geputscht. Die Regierung der
Republik war auf der Flucht. Die fünfzig Arbeiter wurden
von einem Matrosen angeführt und kamen aus dem Volkshaus, in dem
die Führer schon vom frühen Morgen an über den Putsch
in Berlin, den Abwehrstreik und über Lenin und Marx


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