Zeitgenössinnen. Abenteuer hübscher Frauen. - Nicolas Edmonde Rétif de la Bretonne - Страница 1 из 610


Gattung und welchen Inhalts, die in solchem Maße versteckte
Autobiographien sind, daß man sie nicht lesen sollte, ohne ihren
Verfasser zu kennen. Nur aus dessen Persönlichkeit, dessen Leben
kommen die Lichter und Schatten her, deren Gruppierung das versteckte
Bild hinter dem Bild hervortreten läßt. Meist sind solche
Bücher nicht die Schöpfungen des Genies, denen ja keine
Anekdote, keine biographische Notiz etwas hinzufügen kann. Es
sind die Hervorbringungen sehr menschlicher Geister, die in
erhöhtem Maße die Zufälligkeiten ihrer Person und
ihrer Zeit geben, dafür aber auch ohne die Objektivierung des
Kunstverstandes, ohne Distanz, Haß und Liebe, Lust und Unlust,
frisch, rauschend, so wie der Strom ihrer Brust entbraust. Sie
schaffen keine Kunstwerke, sondern verhandeln, von unbezwinglicher
Leidenschaft der Mitteilung getrieben, die eigenen, im Augenblick sie
bewegenden Angelegenheiten in ihren Büchern, sie enthüllen
ihr Wesen, sagt Retif de la Bretonne, aber damit zugleich das Wesen
ihrer Leser. Die hier gebotene Auswahl aus den im ganzen
zweiundvierzig Bänden der »Contemporaines« Retifs,
dieser Naturgeschichte der Französin in der Schicksalsstunde des
ancien régime, scheint, reiht man sie nicht in Retifs Werk und
Leben ein, eine Sammlung amüsanter, geschickt erzählter
faits divers, an der die Vielgestaltigkeit der Fabel und die
unbedingte Beherrschung des Stoffes überrascht. Im Zusammenhang


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