Blätter aus Fiesole - Otto Julius Bierbaum - Страница 1 из 27


(Erste Dezemberhälfte 1907.) Nun wieder, nach drei Jahren,
hier: Nachbar der Franziskaner; zwischen Mauern, deren Grund die alten
Etrusker gelegt haben; unweit dem römischem Theater;
gegenüber dem Hügel von Trespiano mit seinem Friedhofe, zu
dem sich die toten Florentiner nachts mit Fackeln begleiten lassen.
Zwischen mir und ihm der Mugnone. Noch will ich den Fluß nicht
überschreiten. Noch danke ich für diesen Fackelzug, obgleich
die Reise hierher einem Krankentransport sehr viel ähnlicher war,
als einer Lustfahrt. Doch war ich immer noch lebendig genug, mich
auf der Talferpromenade in Bozen des helleren Lichtes dankbar und
stark zu erfreuen, das die Sonne zu spenden beginnt, sobald man die
Brennerhöhe hinter sich hat. Der alte Noë (ein
Schriftsteller, der sehr berühmt gewesen wäre, wenn er
für Engländer und nicht für Deutsche hätte
schreiben dürfen) hat versucht, zu erklären, warum die Sonne
südlich des Brenners ihre Sache soviel besser macht, als
nördlich dieses Bergzuges. Hartleben, der den Alten (ihm
wahlverwandt in mehr als einem Betracht) persönlich gekannt hat,
meinte einmal zu mir, das sei eine rationalistische Erklärung
gewesen, zu deren Verständnis man in einem unerlaubten Maße
nüchtern sein müsse. Daher er (und Noë selber) sie
niemals ganz verstanden habe. Es sei das aber auch
überflüssig, denn der eigentliche Grund dieser Erscheinung
liege im Menschen und nicht bei der Sonne. Nicht, als ob es etwa vom


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