Das Madei - Otto Julius Bierbaum - Страница 1 из 6


Nun sind sie fort, die paar Traurigen, die dich gekannt haben,
Madei, und die dich hier heraus gebracht haben, wirklich in Trauer,
wenn sie auch nicht alle schwarze Röcke anhatten. Du weißt
ja, Madei: Bratenrock, o wehe,
Ein Wort, das ich nicht verstehe,
Ein Wort, erhaben, feierlich
Und furchtbar pfandverleiherlich. Nein, du kennst die braven
Jungen in den abgeschabten Jacketts und den breiten, ein bißchen
glänzigen Hüten, und du bist ihnen nicht böse,
daß ihre pompes funèbres nicht erster Klasse waren.
Ihre Herzen sind erster Klasse. Warum bin ich doch bei dir
geblieben hier draußen? Du, Madei, ich glaube, weil ich mich
freue, daß du sogar im Tode noch von Frühlings Gnaden bist.
Du fühlst ihn doch, den wunderbaren, frischen, fröhlichen
Frühlingstag, der über dem Friedhof liegt? Ach, ob du ihn
fühlst! Wer so wie du im Leben begabt war,
frühlingsglücklich zu sein, der muß auch im Tode seine
Lust am Lenze haben. Im Tode? Weißt du Madei, mir ist
gar nicht, als ob du tot wärst. Nein, du bist mir vielmehr so
nahe, so lebendig nahe, wie nie vordem. Ich sehe dich nicht, aber ich
fühle dich so eigen deutlich, wie wenn ich ganz von dir
umschlossen wäre, wie wenn dein Wesen hier in jedem Lufthauch
bebte, in jedem Blatte auf- und niederschaukelte, schwebte in jeder
Fliederblütentraube und in allen den Vogelkehlen sänge, die
rundherum hier fröhlich sind. Nicht tot, Madei, nein: nicht


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