Der Selbstmörder - Paul Blumenreich - Страница 1 из 242


Kriminalroman   1904   Quelle: PDF
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Morgen war gekommen, und noch immer war er nicht da. Man mußte
die Rolljalousien aufziehen, das Geschäft eröffnen, trotzdem
er fehlte, er, die Hoffnung des ganzen Hauses. Er war nicht der
Sohn des Hauses, aber mehr als ein solcher. Nicht nur sollte er einst
das blühende Geschäft fortführen, er galt als der
Bräutigam der einzigen Tochter des Hauses, und nicht nur die
Zukunft der Firma, auch das Lebensglück dieses jungen
Mädchens lag in seiner Hand. Und er war fort, rätselhaft
verschwunden, vermißt, seit gestern abend ausgeblieben. Keine
Spur, keine Nachricht von ihm. Und während die Morgensonne
ihre ersten Strahlen in das reich dekorierte Schaufenster warf auf die
Andromeda von Bronze, die Tanagrafigürchen und auf die kunstvoll
gestalteten Leuchter und Stafetten, saßen und standen alle
müßig umher mit der einen Frage: Was ist aus ihm geworden?
Es kamen um diese Morgenstunde noch keine Kunden. Solch ein
vornehmes Geschäft wie dieses wird nur pro forma so früh
geöffnet. Gestern abend beim Schluß des Ladens hatte noch
niemand ernste Besorgnis. Ein junger Mann kann einmal ausbleiben bis
zehn Uhr, was will das heißen? – Freilich, bei der
pedantischen Ordnung im Hause mußte das auffallen. Er war ja
manchmal abwesend, aber man wußte doch immer, wo er sei, wann er


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