Die höchste Instanz - Paul Blumenreich - Страница 1 из 268


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www.alte-krimis.de In ungewöhnlicher
Erregung war Mama von ihrem Ausgange heimgekehrt. Francis sah es auf
den ersten Blick: ihr mußte etwas ganz Besonderes begegnet sein.
Es geschah selten, daß Mama ihre ein wenig steife Haltung
verlor, und auch dann noch pflegte sie sich ihrer Tochter
gegenüber sehr in acht zu nehmen. Heute vergaß sie sich so
weit, daß sie schon im Korridor, während das
Dienstmädchen ihr den Mantel abnahm, der ihr entgegenkommenden
Francis zurief: »Du gehst doch nicht aus, Kind? Du bleibst
doch zu Hause? Ich habe dringend mit Dir zu sprechen!« Wo
mochte sie nur gewesen sein? Und was war es, das sie alle Bedenken
gegenüber der geschwätzigen Marie vergessen ließ? Es
gehörte sonst zu Mamas heiligsten Grundsätzen »die
Leute« nicht merken zu lassen, wie es einen bestellt war.
»Die Leute« wußten es zwar trotzdem. Es ist nicht
schwer zu durchschauen, wie der verwitweten Frau Majorin mit ihren
tausend oder zwölfhundert Mark Pension und den Zinsen eines sehr
zusammengeschrumpften Kapitals zu Mute ist – zumal wenn der Herr
Sohn, der Premierleutnant, allerhand Nebenbedürfnisse hat, und
die Tochter für Bücher, Musikalien, Theater und Konzerte
reichlich so viel verbraucht, als die gnädige Frau ihren
»Leuten«, das heißt eben der Marie, Vierteljahrslohn
zahlen konnte. Aber Mama hätte geschworen, daß


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