Das Leben der galanten Damen - Pierre de Brantôme - Страница 1 из 811


italienischer Sitten zur Zeit der Renaissance, ist bekannt. Das Motiv
hat später Lafontaine zu einer seiner lustigsten Geschichten
verwendet. Im vierten Abschnitt läßt er Liguro einen
falschen Offizier, einen Kammerdiener und einen falschen Arzt zu einer
komischen Liebesexpedition in Schlachtordnung aufstellen, und dazu
sagt Liguro: »A la corne droite, on placera Callimaque; je
me placerai au bout de la corne gauche, le docteur entre les deux
cornes; il s'appellera saint Coucou.« Un interlocuteur:
»– Quel est ce Saint là?« »Le
plusgrand saint de France.« Der »Interlocuteur«
und die Antwort, die er bekommt, sind köstlich. Den Witz
hätte schon Brantôme machen können, vielleicht schrieb
er ihn nur nicht auf; denn allzusehr durfte er sich seinem beliebten
Spiel mit dem Wort »cocu« doch nicht hingeben.
»Der Hahnrei der größte Heilige von
Frankreich.« Das hätte als Motto über den
»Galanten Damen« stehen können. Philarète
Chasles, »le vieux Gaulois«, hätte es zwar
bestritten, er behauptete immer, Gallien wäre rein und keusch,
und wenn Frankreich lasterhaft wurde, dann sei es bloß von
benachbarten Völkern angesteckt worden, aber der gute Akademiker
war auch nur vortrefflich über die Einflüsse von Italien
herüber unterrichtet; von der Existenz des Hahnrei selbst in der
Kultur des sechzehnten Jahrhunderts hatte er keine Ahnung. Er
schwört sogar Stein und Bein (in seiner Vorrede zur Edition von


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