Lydia - Robert Byr - Страница 1 из 252


vor einer Weile zur Table d'hote gerufen, und in dichten Scharen kamen
die Gäste in den großen Speisesaal geströmt, dessen
hohe Bogenfenster auf der Westseite gegen die grelle
Mittagsbeleuchtung leicht geblendet waren. Manche leidensvolle,
gebeugte Gestalt hatte ihren gewohnten Platz an den langen Tischen
gesucht, mancher, den der grüne Augenschirm als einen der
Patienten des großen Spezialisten bezeichnete, der hier seinen
Sommersitz alljährlich für einige Wochen aufzuschlagen
pflegte, tastete unsicher und schamhaft beflissen, die traurige
Schwäche möglichst zu verbergen, nach dem Gedecke, manches
bleiche, müde Gesichtchen, auf das Bergluft und Molken die
verlorenen Rosen noch nicht zurückgezaubert hatten, neigte sich
mit einem bald wieder erlöschenden Lächeln zu den Nachbarn;
aber es gab unter den vielen kranken, sachte dahinschleichenden
Erscheinungen doch auch eine ganz erhebliche Anzahl von Gesunden.
Recht behäbig gerundete und stattliche Matronen, zum Teil mit
goldenen Ketten, Armbändern und sonstigem Schmuck reich behangen,
wie es Emporkömmlinge zumal lieben, die ohne eine
alljährliche Badekur kein vergnügliches Leben führen zu
können vermeinen; lebhafte alte Herren, viel redseliger als die
trotz der Sommerhitze in schwerem von handgroßen Kameen
geschlossenen Seidenkleidern gleich 204 Hohepriesterinnen um einen
Opfertisch herumsitzenden Damen; fröhliche, hungrige
Kindergesichter; hier und da ein vornehm tuender und den blasierten


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