Aus der Jugendzeit - Rudolf Baumbach - Страница 1 из 273


ein langgestrecktes Dorf, welches in einem grünen Tal am
Fuße des Donnersbergs gelegen ist. Letzterem gegenüber
erheben sich die Spitzen des Bielsteins und des Drachenbergs, und ihre
Vorspränge, deren einer mit den Trümmern einer Burg
gekrönt ist, verengen das Tal stellenweise so sehr, daß der
Bach, welcher es durchfließt, sich hin und her winden muß,
um aus der Klemme herauszukommen. Es ist ein Winkel, wo sich nach dem
landläufigen Ausdruck Fuchs und Hase gute Nacht sagen, und selbst
in der nächsten Stadt wußte man von dem Ort lange Zeit
nicht viel mehr, als daß er die schmackhaftesten Forellen des
Gebirgs liefere. Erst vor einigen Jahren wurde die Einöd
sozusagen entdeckt; es kam nämlich ein gelehrter Mann in das Tal,
von dem die Bauern bald heraus hatten, daß er ein Professor sei.
Der Herr Professor, Werner war sein Name, kletterte auf allen Bergen
herum, kroch in jede Hohle, beguckte jeden Stein, grub hie und
da tiefe Löcher in den Boden und ließ sich Abends Lieder
vorsingen und Geschichten erzählen. Dann reiste er nach Hause,
und als er im folgenden Jahr wiederkam, brachte er dem Förster
Ditmar, bei dem er gewohnt, ein Buch mit, welches er über die
Einöd geschrieben hatte. Kuriose Sachen waren darin zu
lesen; da stand zum Beispiel, daß der sogenannte Hexentisch auf
dem Donnersberg nichts anderes als ein Altar des Heidengottes Thor
gewesen wäre, daß die Bewohner der Einöd ehemals


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