Zlatorog - Rudolf Baumbach - Страница 1 из 62


        Dir, mächt'ger Triglav , gilt
mein Lied, mein Grüssen!
Drei Häupter hebst du trotzig in die Höh'
Wie jener Gott, nach dem sie einst dich hiessen,
Und jedes trägt ein Diadem von Schnee. Ich bin
umstarrt von hundert Bergesriesen,
Wenn schwindelnd ich auf deinem Scheitel steh',
Es lacht ein grün Geländ zu meinen Füssen,
Mich grüsst Italien und die blaue See. In
deinen Klüften wohnt die graue Sage,
Es klingt ihr Sang so trüb und doch so traut
Wie eines Mädchens leise Trauerklage; Und was
sie mir, dem Wandrer einst vertraut,
Sei zur Erinnrung an vergangne Tage
Erzählt in meiner Muttersprache Laut.
           
  Es hat des Triglavs dreifache Kron'
Die Nacht mit Nebel umwoben;
Jetzt steigt sie grollend von ihrem Thron,
Die Sterne erzittern droben,
Denn leuchtend über den Felsengrat
Erhebt sich das brennende Sonnenrad;
Da muss die Nacht entweichen. In flücht'ge
Flocken sich zertheilt
Der wallende Nebelschleier,
Und wie ein Taubenschwarm enteilt,
Gescheucht von einem Geier,
So fliehen sie vor dem Taggestirn,
Und goldigroth erglänzt der Firn
Auf König Triglavs Scheitel. Da schüttelt


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