Die Waffenbrüder - Rudolf Georg Binding - Страница 1 из 55


im Westen unseres Landes, wie keine schönere gleich einer
lächelnden Frau ihre Füße in den Wellen eines
raschfließenden Stromes badet und ihr Antlitz in seinem Spiegel
betrachtet, sich die Geschichte zutrug, die ich hier erzählen
will. Obzwar sie sich recht eigentlich im Herzen jener Stadt
abgespielt hat und es Blut dabei gab und Tränen, so hat sie davon
wohl kaum etwas gespürt; und wenn sie etwas von ihr bemerkte, so
hat sie es im Herzen bewahrt, treu und verschwiegen, wie es gut war
und notwendig; denn sie ist – auch hierin den Frauen gleichend
– minder schwatzhaft als minder schöne. Jetzt aber, da
niemand mehr übrig ist, dem die Erzählung dieser
Begebenheiten einen Schmerz erneuern könnte, und die Geschichte
schon dem unermeßlichen Meere der Vergessenheit zurollt, das,
gnädig und grausam, die Schicksale der Menschen in sich aufnimmt,
scheint es an der Zeit, sie diesem Ende zu entreißen. Denn
selbst der letzte und gewichtigste, wenn auch stumme Zeuge, der ihren
Ausgang gesehen hat, ist gefallen, da ich jüngst eines Abends vor
den Trümmern des Hauses stand, in welchem sie zum Austrag kam.
Es war das Haus, in dem zu unserer Studentenzeit unser
Fechtmeister wohnte und seinen Fechtboden hielt; nicht der von der
Universitätsbehörde angestellte, bei dem man die
herkömmlichen Gänge unter Geklirr und Getrampel erlernte,
sondern einer, der die feine Kunst auf eigene Hand übte und


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