Marie - Sophie Friederike Brentano - Страница 1 из 52


musikalischen Instrumenten zu einer seltenen Fertigkeit gebracht, und
sich in verschiedenen Gegenden Deutschlands Ruhm erworben. Er war mit
grosen Ansprüchen in die Welt getreten; seine Talente schienen
ihn dazu zu berechtigen; aber ein feindseliges Geschik lastete auf
ihm, wies seine Ansprüche zurück, und zerknikte seine
schönsten Hofnungen. Mit seiner Jugend schwand sein Muth, im
Kampf mit seinem Schiksal als Sieger da zu stehen; sein einziges Ziel
war Ruhe, und mit den Trümmern eines kleinen Vermögens,
flüchtete er in die Dunkelheit eines Dörfchens, wo ein
kleiner Maierhof ihm Unterhalt und Beschäftigung gab. Bald
dünkte es ihm als sei diese Lage ganz eigen für ihn gemacht;
er kannte keine andere Sorge, wie die Beschäftigung des Tags,
keinen andern Wechsel, als den der Jahreszeiten, den er mit der ganzen
Natur zugleich empfand, keine andere Freude, als, die Früchte
seiner Arbeit zu ernden. Seine Instrumente hatte er in einen öden
Winkel seines Hauses verwiesen, wo er sie nur zuweilen, mit
mitleidigem Lächeln, als die Monumente seiner ehemaligen
Träume und grosen Erwartungen betrachtete. Die Briefe, die er in
der ersten Zeit, noch von wenigen Bekannten erhalten, hatte er alle
unbeantwortet gelassen; und außer einigen wenigen
Lieblingsbüchern alle Lectüre ganz aus seinem Leben
verbannt. »Was hilft das Lesen?« sagte er zu seinem
Nachbar und Freund, dem Prediger des Dorfs, dem einzigen aus
höhern Ständen, mit dem er umzugehen pflegte, »eine


-10     пред. Страница 1 из 52 след.     +10