Der alte Hauptmann - Sophus Bauditz - Страница 1 из 261


ist ja im Grunde gleichgültig, im übrigen geschah es auf
einer Treibjagd im Terper Walde. Daß ich ihn schon
früher dem Namen nach kannte, versteht sich von selbst –
wer in Jütland kennt nicht den Hauptmann aus dem Hjortholmer
Wald? Jeder Jüte – wenigstens jeder Ostjüte –
wußte, daß er mit achtzehn Jahren, im Jahr 48 freiwillig
mitgegangen war, sich zum Leutnant heraufgedient hatte, nach der
Schlacht bei Fredericia dekoriert worden war, und als Hauptmann den
Krieg von 64 mitgemacht hatte. Und dann wußte außerdem
jeder, daß er ein Waidmann von Gottes Gnaden war, und ein
willkommener Gast, wo er sich zeigte. Mein erster
Eindruck von dem Hauptmann entsprach ganz dem, was ich von ihm
gehört hatte: eine Hünengestalt war er, mit hoher Stirn,
gebogener Nase und einem mächtigen, blonden Schnurrbart; sanfte,
klare Augen hatte er, und Lebensfreude strahlte von ihm aus. Er
erinnerte im Grunde an einen der mannhaften dänischen Ritter aus
der Renaissancezeit, an einen von denen, die in der Zeit der Fehde
immer voran waren, und in Friedenstagen Hirsch und Hindin daheim in
den Wäldern jagten, um schließlich oben auf dem Epithaphium
über dem Familienbegräbnis knieend zwischen mehreren Frauen
und vielen Kindern zu enden. Verheiratet gewesen war der Hauptmann nun
freilich niemals, und seine Stammtafel war höchst
bürgerlich: Der Vater war Förster gewesen und der


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