Novellen - Steen Steensen Blicher - Страница 1 из 267


geb. 11. Oktober 1782, † 26. März 1848 Gewisse
Schriftsteller werden in ganz besonderem Grade Ausdruck für die
Eigenart und besondere Lebensanschauung eines Volkes sein. Die
Literatur eines Landes ist wie ein Garten neben einer Reihe anderer
Gärten; viele Blumen sind überall vertreten und ähneln
einander, aber einige wenige sind charakteristisch für die
Stelle, wo sie wachsen. Wollen wir uns einen Eindruck davon
schaffen, was im Garten Dänemarks zu sehen ist, so ist Steen
Steensen Blichers Name einer von denen, die man sofort wird nennen
müssen. Man kann nicht von dänischer Literatur und ihrem
besonderen Einsatze sprechen, ohne seinen Namen zu nennen; nicht
daß er Dänemark und seine Bedeutung in hohen Tönen
gepriesen hätte, nein, vielmehr seiner gedämpften Stimme
wegen. Die dänische Heide – die großen
unbewohnten Strecken in der Mitte Jütlands – haben auf
Steen Steensen Blicher und seine Lebensauffassung
entscheidenden Einfluß gehabt. Überall begegnen wir einem
eigenen ruhigen Wesen, das die dänische Literatur kennzeichnet.
St. St. Blicher spricht nicht große Worte. Es ist
charakteristisch für die Jütländer – und Blicher
gehörte zu ihnen –, daß sie sich nicht gern direkt
über eine Sache äußern. Die jütländische
Mundart ist gefüllt mit Umwegen und indirekten Ausdrücken.
Die Jütländer haben eine innerliche Freude an ihrer Sprache
und lieben es mit den »Worten zu spielen«, nur wegen des


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