Etwas über Shakespeares Schauspiele - Ulrich Bräker - Страница 1 из 106


Komm doch ein Weil zu mir,
Und gönne mir, du großer Mann,
Ein kurz Gespräch mit dir.
Hört uns das Gsind und spottet mein,
So bitt ich, hilf du mir.
Ich will dir dann den Rüpel sein,
Sonst kann ich nichts dafür. Im
Näppis, das Geburtshaus Ulrich Bräkers
Himmel, welche Dummheit! Ein ungelehrter Tropf, ein grober
Tölpelhans, ein Flegel, der irgend in einem wilden Schneeberg von
zwei Klötzen ausgeheckt worden, der weder Erziehung noch Talente
hat, so ein Plock erfrechet sich, an dem größten Genie sich
zu vergreifen, sich an den größten Mann zu machen und seine
Schriften zu kritisieren, die von der ganzen gelehrten Welt bewundert
und angebetet werden. – Himmel, bewahre mich – nein, mein
hochgelahrter Herr, ich würde zittern, wann mir irgend ein
kritisches Wort entwischen sollte, wann irgend ein tadelnder Gedanke
in meinem Busen aufsteigen sollte. Ich ehre diesen großen Mann
so sehr, als man einen Verstorbenen ehren darf, und wünsch ihn in
jener Welt anzutreffen. Das Glück, seine Werke zu lesen, dringt
mir diese Zeilen zu seinem Lobe ab, und wenn Shakespeare noch lebte,
würde er dies unmündige Lob nicht verachten; vielleicht mich
zwischen den Rippen kennen und lächelnd ein gütiges Urteil
fällen. Nein, nur über alle Teile etwas, nichts Kritisches,
nur Gefühl, Empfindungen, Gedanken bei diesem und jenem
Stück – mit diesem lieben Mann reden, als wenn er bei mir


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