Rea Silvia - Valerij Brjussow - Страница 1 из 43


die Tochter Rufius', des Kalligraphen. Sie war auch noch keine zehn
Jahre alt, als Rom am 17. Dezember 546 vom König der Goten,
Totila, erobert wurde. Der großmütige Sieger ließ die
ganze Nacht Buccinen blasen, damit die Römer die Gefahr erkennen
und aus ihrer Stadt fliehen konnten. Totila kannte die Wildheit seiner
Krieger und wollte die Bevölkerung der ältesten Hauptstadt
der Welt nicht den Schwertern der Goten überliefern. Auch Rufius
floh mit seinem Weibe Florentia und seinem Töchterchen Maria.
Große Scharen von Flüchtlingen zogen aus Rom die ganze
Nacht hindurch die Appische Straße entlang; Hunderte von ihnen
brachen unterwegs vor Erschöpfung zusammen. Der Mehrzahl,
darunter auch Rufius und seiner Familie, gelang es dennoch, nach
Bovillae zu kommen, wo aber viele kein Obdach fanden. Die Römer
mußten ein Lager im freien Feld aufschlagen und verzogen sich
später auf der Suche nach Unterkunft nach allen Seiten. Die einen
gingen in die Campagna, wo sie von den Goten gefangengenommen wurden;
die anderen erreichten das Meer und fanden sogar die Möglichkeit,
nach Sizilien zu kommen; andere wieder schlugen sich als Bettler in
der Umgebung von Bovillae durch oder zogen nach Samnium. Rufius
hatte einen Freund in der Nähe von Corbium. Zu diesem armen
Menschen namens Anthimius, der auf seinem kleinen Grundstück die
Schweinezucht betrieb, brachte Rufius seine Familie. Anthimius nahm
die Flüchtlinge bei sich auf und teilte mit ihnen seine kargen


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