Deutsche Menschen - Walter Benjamin - Страница 1 из 114


Von Größe ohne Glanz
Von Würde ohne Sold Vorwort Die
fünfundzwanzig Briefe dieses Bandes umfassen den Zeitraum eines
Jahrhunderts. Der erste ist von 1783, der letzte von 1883 datiert. Die
Reihenfolge ist chronologisch. Außerhalb ihrer ist das folgende
Schreiben gestellt. Aus der Mitte des hier umspannten Jahrhunderts
stammend, gibt es den Blick auf die Anfänge der Epoche –
Goethes Jugend – frei, in welcher das Bürgertum seine
großen Positionen bezog; es gibt ihn aber – durch seinen
Anlaß, Goethes Tod – auch auf das Ende dieser Epoche frei,
da das Bürgertum nur noch die Positionen, nicht mehr den Geist
bewahrte, in welchem es diese Positionen erobert hatte. Es war die
Epoche, in der das Bürgertum sein geprägtes und gewichtiges
Wort in die Waagschale der Geschichte zu legen hatte. Freilich
schwerlich mehr als eben dieses Wort; darum ging sie unschön mit
den Gründerjahren zu Ende. Lange ehe der folgende Brief
geschrieben wurde, hatte, im Alter von sechsundsiebzig Jahren, Goethe
dieses Ende in einem Gesicht erfaßt, das er Zelter in folgenden
Worten mitteilte: »Reichthum und Schnelligkeit ist, was die Welt
bewundert und wornach jeder strebt. Eisenbahnen, Schnellposten,
Dampfschiffe und alle mögliche Facilitäten der Communication
sind es, worauf die gebildete Welt ausgeht, sich zu überbilden
und dadurch in der Mittelmäßigkeit zu verharren ...
Eigentlich ist es das Jahrhundert für die fähigen


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