Drachen - Sage und Naturwissenschaft - Wilhelm Bölsche - Страница 1 из 109


halbwissenschaftlichen amerikanischen Film, obwohl ich eigentlich
nicht besonders gern so etwas besuche. Denn ich ärgere mich
durchweg nur über das Mißverhältnis zwischen den guten
neuen Mitteln, die hier für wirkliche Volksbildung gegeben
wären, und dem tatsächlichen Nichttalent der Leute, etwas
damit zu leisten. Immerhin ging's diesmal noch glimpflich. Man
sah, mit der unvermeidlichen amerikanischen Kitsch-Beigabe, eine
Expedition, die auf bisher unerstiegenem tropischen Steilhochland noch
lebende Saurier der Kreidezeit entdeckte – an sich nett erfunden
und in den Tieren selbst, das mußte man zugeben, mit der
lebendigsten Technik herausgebracht. Aufnahmen wie aus unserm Zoo,
sagte ein geistvoller Tiergartenleiter zu mir – und doch eben
Sauriervolk jener unendlich verschollenen vormenschlichen Welt. Man
sah die alten Hornsaurier (Ceratopsiden), von der Natur in einer ihrer
verwegensten Launen einst zusammengestückelt aus Stier, Nashorn,
Schildkröte, Papagei und Krokodil gleich dem tollsten indischen
Götzenbild – wie sie mit ihren Jungen als entsprechenden
Kleingötzchen vor einem Waldbrande flüchteten. Die wilden
Raubsaurier äugten als haushohe fleischfressende Känguruhs
des Reptilstamms über den Busch. Und selbst der leibhaftige
Riesenflugsaurier schwebte im Gleitfluge auf der Siebenmeterspannweite
seiner Häute, wenn es ihm auch da oben wohl etwas an der
nötigen Fischkost gefehlt haben würde. Man staunte doch, was


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