Die Hungerpille - Wilhelm Busch - Страница 1 из 2


Professor Neidknochen liest in der Zeitung die Preise der Lebensmittel
und ist ganz entsetzt über die zunehmende Teuerung.
»Das muß anders werden«, sagt er und rennt wie
närrisch im Zimmer umeinander – »da könnt' man
am End' um sein ganzes Vermögen kommen!« –
Da fällt ihm ein Artikel in die Hand, in welchem behauptet
wird, der Hunger wäre nur eine Einbildung und das Essen eine
schlechte Gewohnheit. Gleich am andern Morgen fängt er
an, Ersparnisse zu machen – aber nicht an sich selber, sondern
an seinem Hund; das heißt: er trinkt Kaffee, aber der
Bürschel kriegt nix. Zu Mittag fangt auch er an zu
fasten; aber sein Magen wird darüber rebellisch und untersteht
sich zu knurren, was er durch ein einfaches Manöver zu
unterdrücken sucht. Am folgenden Tage meint er doch:
»Der Hunger tut weg«, und eine Kleinigkeit könne dem
Experiment nicht viel schaden; er fängt sich daher eine solche in
einer Mausfalle. Er kocht sich die Maus, und speist sie
– der Bürschel, der bereits zaunrackerdürr wird,
kriegt natürlich nichts und richtet daher sein Augenmerk auf das
kleine Geflügel. Am nächsten Morgen wird es dem Herrn
Professor schon ganz neblig vor den Augen, aber er hat sich
fest vorgenommen, seine Theorie durchzuführen; sein Magen fordert
jedoch mit solchem Ungestüm Arbeit, daß er in Ermanglung
von etwas Besserem seinen Kanarienvogel umbringt, und ihn am Lichte


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